Keulenwespen (Sapygidae): weitere Arten
Sapyga quinquepunctata (Fabricius 1781)
Die weitverbreitete und gar nicht so seltene Art hat ein breites Spektrum an Wirten aus der Unterfamilie Megachilinae (Mauerbienen, Mörtelbienen): Osmia adunca, Osmia brevicornis, Osmia caerulescens, Osmia claviventris, Osmia gallarum, Osmia leaiana, Osmia tridentata, Megachile parietina.
Regelmäßig kann die gut kenntliche, 8–9 mm große Art ab Anfang Mai auch an Nisthilfen im Siedlungsbereich beobachtet werden.

Männchen von Sapyga quinquepunctata, kenntlich an den mitten breit unterbrochenen, weißen Binden der Tergite sowie den innen teilweise rostroten Fühlergliedern und dem elfenbeinfarbenen Kopfschild.

Weibchen von Sapyga quinquepunctata, kenntlich an zwei roten Hinterleibssegmenten und weißen Flecken auf den restlichen Segmenten und am Vorderrand des Thorax.
Paarung von Sapyga quinquepunctata. Beim Männchen (oben) dieser Art sind die Fühler nicht so ausgeprägt keulenförmig wie bei Sapyga clavicornis.

Auf dem Boden einer Brutzelle von Osmia adunca hat Sapyga quinquepunctata ein Ei angeklebt, das schlanker und kleiner ist als das Wirtsei auf dem auberginefarbenen Larvenproviant.
Gleich drei Eier wurden hier von Sapyga quinquepunctata auf den Futterbrei in einer Brutzelle von Osmia caerulescens abgelegt. Das größere Wirtsei ist im Hintergrund zu sehen.
Bräunlicher Kokon von Sapyga quinquepunctata in einer Brutzelle der stengelbewohnenden Osmia tridentata.
Sapyga similis (Fabricius 1793)
Sapyga similis ähnelt der Sapyga quinquepunctata, doch hat das Weibchen teilweise rötliche Antennen und die Hinterleibsflecken sind gelb. Die ziemlich seltene, meist an Waldrändern, in lichten Kiefernwäldern und in Küstendünen vorkommende, 10 mm große Art entwickelt sich bei verschiedenen Mauerbienen: Osmia uncinata, Osmia nigriventris, Osmia xanthomelana, Osmia maritima und Osmia adunca, Osmia grandis; vermutlich kommt auch Osmia pilicornis in Betracht.
Männchen von Sapyga similis mit weißem Clypeus und orangeroten Unterseiten der Antennen (präpariertes Exemplar aus meiner Sammlung).
Weibchen von Sapyga similis
Ein Weibchen von Sapyga similis inspiziert eine Brutzelle von Osmia inermis, die in einer kleinen Höhlung eines Steins gebaut wurde und sich gerade im Stadium der Verproviantierung befindet.
Eine Larve von Sapyga similis im ersten Larvalstadium saugt das Ei ihres Wirtes Osmia grandis aus, die ich im Schweizer Wallis untersucht habe. Der intensiv rote Pollenvorrat, auf dem das Bienenei abgelegt wurde, stammt von Knautia (Witwenblume) (Dipsacaceae).
Obiges Foto ist in folgender Publikation enthalten:
Westrich, P. (2002): Über das Nest der Scherenbiene Osmia
grandis (Nylander) (Hymenoptera, Apidae). – Stapfia, 80: 517-523. - Hier
herunterladen (pdf 1,3 MB)
Sapygina decemguttata (Jurine 1807)
Hauptwirt dieser überwiegend schwarzen und kleinsten Art der Familie ist die Löcherbiene Osmia truncorum; vermutlich lebt sie aber auch bei Osmia crenulata.
Paarung von Sapygina decemguttata auf einer älteren Nisthilfe aus Holz.
Sapygina decemguttata (hier: Weibchen) besucht regelmäßig Blüten zur Nektaraufnahme. Dabei werden wie im Falle des Wirts Korbblütler (hier Goldgarbe, Achillea filipendulina) bevorzugt. Beachte die relative kurze, breite Zunge.


Oben links: Frisch an die Decke der Brutzelle von Osmia truncorum
abgelegtes Ei (Größe: 1,25 x 0,25 mm).
Oben rechts: Die Sapygina-Larve ist geschlüpft und sitzt nun auf dem
Wirtsei, dessen Hülle sie bald mit ihren dolchartigen Mandibeln durchbohren
wird.
Links: Die Saygina-Larve (oben) hat bereits einen Teil des
Bieneneis ausgesaugt. Sobald dieses vollständig ausgesaugt ist, wird sich
die Keulenwespenlarve über
den eigentlich für die Biene deponierten Pollen hermachen.
Sapygina decemguttata überwintert im Stadium der Ruhelarve.
Literatur:
Westrich, P. (1983): Zur Biologie der Keulenwespe Sapygina
decemguttata (Jurine) (Hymenoptera, Sapygidae). – Carolinea, 41: 134–136 Hier herunterladen (pdf
268 KB)
Polochrum repandum Spinola 1806
Die mediterrane, in Deutschland bisher nicht nachgewiesene und größte Art der Familie schmarotzt bei den Holzbienen Xylocopa violacea und Xylocopa valga.
Ein Männchen von Polochrum repandum, das ich am 2. Juni 1974 bei Moustier in Südfrankreich fing, als ich gerade begonnen hatte, mich näher mit Bienen und Wespen zu befassen. Leider ist mir bislang kein Lebendfoto geglückt. Deshalb präsentiere ich dieses Präparat aus meiner Vergleichssammlung, um alle Arten abzubilden.


Nutznießer und Gegenspieler