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Lebensraum Magerrasen

Blütenbesuch am Nickenden Blaustern (Scilla siberica) und am Festen Lerchensporn (Corydalis bulbosa)

5. April 2009

Heute war ich noch einmal im Alten Botanischen Garten der Stadt Tübingen und habe versucht, die Bienenarten, welche die hier vorherrschend blühenden Pflanzenarten besuchen, zu fotografieren und ihr Verhalten zu dokumentieren.

Alter Botanischer Garten Tübingen

Mehrere hundert Exemplare des Nickenden Blausterns (Scilla siberica) blühen jetzt unter den Parkbäumen. Sie werden eifrig von den Männchen und Weibchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) besucht. Vereinzelt sah ich auch die Weibchen der Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes) Nektar saugen.

Alter Botanischer Garten Tübingen

An mehreren Stellen des Alten Botanischen Gartens blühen große Herden des Festen Lerchensporns (Corydalis bulbosa = C. solida) in einer weißblühenden und einer lilablühenden Form. Die Blüten beider Varianten wurden hier von den Weibchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta), von den Männchen und Weibchen der Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes) und von den Königinnen der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) ausgiebig als Pollen- und/oder Nektarquelle genutzt.

Die heute gemachten Aufnahmen habe ich in der folgenden Bildergalerie zusammengestellt.

Besonders zu beachten sind:
– Die unterschiedlichen Pollenfarben von Blaustern und Lerchensporn;
– Die drei Farbvarianten der Frühlings-Pelzbiene;
– Der Nektarraub der Hummelköniginnen.

[Zum Starten auf eines der Vorschaubilder klicken.]

  • Osmia cornuta – Männchen
    Die Männchen nutzen den Blaustern als Nektarquelle und patrouillieren seine Blüten auf der Suche nach unverpaarten Weibchen.
  • Osmia cornuta – Weibchen
    Ein frisch geschlüpftes Weibchen mit seiner charakteristischen schwarz-fuchsroten Behaarung besucht den Blaustern, der sowohl als Nektar- wie als Pollenquelle attraktiv ist, wenn er auch nur kurz blüht und die Bestände dieses als Zierpflanze kultivierten Hyazinthengewächses meist klein sind.
  • Osmia cornuta – Weibchen
    Ein Weibchen hat die Blüte des Blausterns angeflogen. Es wird im nächsten Augenblick unter die Blütenblätter kriechen, um in der hängenden Blüte den Pollen zu ernten, dessen blaue Farbe in den Staubbeuteln gut zu sehen ist.
  • Osmia cornuta – Weibchen
    Dieses Weibchen hat bereits viel Pollen des Blaustern gesammelt und in seine als Transporteinrichtung dienende Bauchbürste (Scopa) umgelagert. Aus der durchgehend blauen Farbe kann man schließen, daß das Weibchen auf diesem Sammelflug ausschließlich am Blaustern Pollen gesammelt hat.
  • Osmia cornuta – Weibchen
    Dieses Weibchen ist stark mit dem blauen Blaustern-Pollen bepudert, der leicht in dem dichten Haarpelz der Mauerbiene hängen bleibt, anschließend aber ausgekämmt und in die Bauchbürste befördert wird.
  • Osmia cornuta – Weibchen
    Dieses Weibchen hat sich an einem Blütenblatt festgeklammert, um von den im Blütengrund liegenden Nektarien den Nektar zu entnehmen. Gewöhnlich wird beim Blütenbesuch Nektar getrunken und – sofern nicht schon geerntet – Pollen gesammelt. Die Mauerbienen fliegen gezielt zwischen den Blüten umher und erkennen dabei, ob eine Blüte noch Pollen in ihren Staubbeuteln aufweist oder ob dieser bereits entnommen wurde.
  • Osmia cornuta – Weibchen
    Dieses Weibchen fliegt gerade eine Blüte des Lerchensporns an. Die Farbe des Pollens in seiner Bauchbürste läßt erkennen, daß es bereits an anderen Lerchensporn-Blüten Pollen geerntet hat, denn der Pollen des Lerchensporns ist von cremig-weißer Farbe. Blaustern und Lerchensporn gehören zwei verschiedenen Pflanzenfamilien an: Hyazinthengewächse und Mohngewächse. Demnach zeigt Osmia cornuta ist hinsichtlich des Pollensammelns anpassungsfähig und demnach eine polylektische Art. (Zur Erläuterung der Polylektie).
  • Osmia cornuta – Weibchen
    Auch dieses Weibchen sammelt am Lerchensporn Pollen.
  • Osmia cornuta – Weibchen
    Auch die Bauchbürste dieses Weibchen ist schon reichlich mit Lerchensporn-Pollen gefüllt.
  • Anthophora plumipes – Weibchen
    Ein Weibchen der braunen Farbvariante ist gerade dabei, im Stehflug vor der Blüte seinen Rüssel in die Blüte zu stecken. Der Pelzbienenrüssel ist lang genug, um an den in der Kronröhre tief verborgenen Nektar zu gelangen. Dabei wird Pollen auf dem mit Borsten besetzten Rüssel abgelagert. Beim Besuch einer Blüte, deren Pollen bereits abgerntet ist, gelangt der Pollen auf die jetzt empfängnisfähige Narbe und sichert so die Fremdbestäubung, denn der Feste Lerchensporn ist selbststeril. Schon Kirchner schreibt 1911 in seinem Buch »Blumen und Insekten«: »Von den zur Blütezeit des Lerchensporns fliegenden Immern besucht vorzugsweise die Pelzbiene die Blüten so zahlreich und eifrig, daß wohl keine unbefruchtet bleibt.«
  • Anthophora plumipes – Weibchen
    Braune Farbvariante beim Blütenbesuch am Lerchensporn.
  • Anthophora plumipes – Weibchen
    Ein Weibchen der dunkelgraunbraunen Farbvariante beim Anflug an die Lerchensporn-Blüte. In seiner Schienenbürste (Scopa) hat es bereits reichlich von dem weißen Pollen des Lerchensporns gespeichert.
  • Anthophora plumipes – Weibchen
    Das gleiche Weibchen wie auf dem vorigen Bild bei der Pollenernte am Lerchensporn.
  • Anthophora plumipes – Weibchen
    Die ganz schwarz gefärbte Variante dieser Pelzbiene ist meist seltener als die anderen Farbformen.
  • Anthophora plumipes – Weibchen
    Die Pelzbienen besuchen außer der lilafarbenen Form auch die weißen Blüten des Lerchensporns und nutzen diese sowohl als Nektar- wie als Pollenquelle.
  • Corydalis bulbosa Hummel-Bißlöcher
    Wenn man sich die Blüten des Lerchensporns genauer ansieht, findet man in der Kronröhre bis zu drei Löcher. Sie stammen von kurzrüsseligen Hummelköniginnen, die mithilfe ihrer Mandibeln ein Loch in die Kronröhre beißen, um an den Nektar zu gelangen. Ihr kurzer Rüssel ermöglicht es ihnen nicht, auf normalem (legitimem) Weg zum Nektar zu gelangen. Diese Art des Nektarerwerbs bezeichnet man als Nektarraub.
  • Bombus terrestris – Königin
    Eine Königin der Dunklen Erdhummel hat ihren kurzen Rüssel in ein vorher aufgebissenes Loch gesteckt, um an den tief verborgenen Nektar zu gelangen.
  • Bombus terrestris – Königin
    Auch diese Königin der Dunklen Erdhummel begeht am Lerchensporn Nektarraub. Sie trägt daher nicht zur Bestäubung der Blüten bei.
 

Weitere Informationen über Anthophora plumipes gibt es in ihrem Steckbrief.

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