Eucera nigrescens Pérez 1879
Mai-Langhornbiene
Synonyme: Eucera tuberculata auct. (nec Fabricius 1793)
Links: Männchen.
Rechts: Weibchen. [Großansichten: Bitte auf das Bild klicken].
Kennzeichen
Männchen: 12–15 mm. Labrum und Clypeus ganz gelb. Thorax oben und unten braungelb behaart.
Mesonotum wie beim Weibchen matt und nur zerstreut punktiert.
Weibchen: 13–15 mm. Das Mesonotum ist ganz matt, die einzelnen Punkte grob, sehr flach und zerstreut. Segment 1 und 2 sind im frischem Zustand dicht gelblich behaart, die Seitenflecken des 2. Segmentes verwaschen.
Der wissenschaftliche Gattungsname Eucera geht auf die beiden griechischen Wörter eu = gut und cera = Hörner zurück, die sich auf die langen Antennen der Männchen beziehen. Bei vielen Arten sind die Antennen oft länger als der Körper und geben den Bienen vor allem beim Flug ein eigentümliches Aussehen.
Der deutsche Name für die hier beschriebene Art stammt von mir und bezieht sich auf den Monat Mai als Hauptflugzeit. Entsprechend gebildet wurde der deutsche Name der nächstverwandten Art Eucera longicornis (Juni-Langhornbiene).
Verbreitung
Süd- und Mitteleuropa; im Westen bis England. – In Deutschland keine Verbreitungsgrenze, daher auch im Norden; mit Ausnahme von Schleswig-Holstein in allen Bundesländern nachgewiesen. Österreich, Schweiz. Im allgemeinen weit verbreitet in Lagen unter 500 m, nur vereinzelt auch in Lagen zwischen 500 und 800 m (Schwäbische Alb, Schwarzwald).
Lebensraum
In erster Linie dort anzutreffen, wo es reiche Bestände der Zaun-Wicke (Vicia sepium) gibt. Der Siedlungsschwerpunkt liegt daher in Fettwiesen, insbesondere in zweischürigen Streuobstwiesen der Hanglagen des Hügellandes und der Mittelgebirgsvorländer sowie auf den Hochwasserdämmen der Oberrheinebene; auch in warmen Gebüsch- und Waldsäumen.
Diese Streuobstwiese im Mittleren Albvorland war ein charakteristischer Lebensraum der Mai-Langhornbiene, bis der Eigentümer begann, sie häufiger zu mähen und das Mähgut liegen ließ. Die Zaunwicke als wichtigste Pollenquelle verträgt aber häufiges Mähen nicht. Mit ihrem Verschwinden erlöscht auch der lokale Bestand der Langhornbiene.
Nistweise
Nester an schütter bis dichter bewachsenen Stellen meist mehr oder weniger geneigter Flächen. Besiedelt sowohl Sandboden (Flugsand, Schwemmsande, Verwitterungssande, Molasse) als auch lehmige Böden (Lößlehm, Lehmböden mittleren Tongehalts). Die Nester werden in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde angelegt und sind nicht leicht zu finden. Der Gang wie die Zellen sind innen mit Sekreten ausgekleidet, die auch in die Zellwände eindringen und sie festigen.
Eucera longicornis
Nest der nahverwandten Art Eucera longicornis (= Eucera difficilis) mit Männchen (rechts oben) und Weibchen (links unten) (Aus Friese, Die europäischen Bienen).
Nest der im Juni und Juli fliegenden, nahverwandten Art Eucera longicornis (= Eucera difficilis) mit Männchen (rechts oben) und Weibchen (links unten).
Teil einer Tafel aus dem Werk von H. Friese, Die europäischen Bienen. Weitere Tafeln aus diesem Buch finden sich im Kapitel Lebensweise.
Blütenbesuch
Eucera nigrescens

Männchen beim Blütenbesuch an Zaunwicke (Vicia sepium)
Eucera nigrescens

Weibchen beim Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). Die Pollenladung ist noch weiß, da noch kein Nektar hinzugegeben wurde. In einer späteren Phase des Sammelflugs wird die Pollenladung durch Hinzugabe von Nektar als »Klebstoff« dunkler (siehe Galerie unten).
Links: Die Männchen patrouillieren bevorzugt an den Blütenständen der Zaun-Wicke, gelegentlich auch an anderen Schmetterlingsblütlern.
Rechts: Die Art ist oligolektisch und auf Fabaceae (Schmetterlingsblütler) als Pollenquellen spezialisiert. Hauptpollenquelle in Mitteleuropa ist die Zaunwicke (Vicia sepium). Weitere bekanntgewordene Pollenquellen, die aber nur vereinzelt und beim Fehlen der Zaunwicke genutzt werden: Vogel-Wicke (Vicia cracca), Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis), Roter Wiesenklee (Trifolium pratense), Weißklee (Trifolium repens), Luzerne (Medicago sativa).
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Kuckucksbienen
Phänologie
Univoltin. Fliegt von Mitte April bis Mitte Juni. Die Art zeigt eine ausgesprochene Proterandrie, d.h. die Männchen erscheinen 3–4 Wochen vor den Weibchen, manchmal schon in der ersten April-Woche.
Gefährdung und Schutz
Durch gezielte Suche an Beständen der Zaunwicke kann die Art auch heute noch regelmäßig nachgewiesen werden. Daher erscheint sie derzeit noch nicht gefährdet. In vielen Fällen handelt es sich bei den Fundstellen aber um Reste historisch gewachsener Kulturlandschaften. Da zumindest in Süddeutschland ein Siedlungsschwerpunkt in den Streuobstwiesen der Mittelgebirgsvorländer liegt, ist die Art langfristig durch Änderungen der althergebrachten Nutzung gefährdet. Hierzu zählen insbesondere die häufigere Mahd (z.B. durch Rasenmäher!), die Umstellung auf Beweidung und erst recht der Wiesenumbruch. Zur Erhaltung dieser Langhornbiene ist daher eine Fortführung der zweischürigen Wiesennutzung besonders empfehlenswert. Wo die Art in warmen, nährstoffreichen Wald- und Gebüschsäumen fliegt, erleidet sie durch Aufforstungen und Bewirtschaftung bis an den Gehölzrand Bestandseinbrüche.
Bestand der Zaunwicke auf einer Wiese. Leicht kann dieser Schmetterlingsblütler auch im Garten angesiedelt werden. Er lockt dann die Mai-Langhornbiene und ihre Kuckucksbiene sogar in den eigenen Garten, wie ich das seit vielen Jahren bei mir beobachte. Geeignete Nistplätze suchen sich die Weibchen selbst.
In der nachfolgenden Galerie finden Sie weitere Fotos von Eucera nigrescens sowie zum Vergleich ein Männchen von Eucera longicornis. {Starten der Großansichten durch einen Klick auf ein Vorschaubild]
Dieses Weibchen ist soeben aus dem vorjährigen Nest im lehmigen Erdboden geschlüpft. [D, Tübingen, 23. April 1993].
Hier haben Männchen solange am vorjährigen Nistplatz patrouilliert, bis ein Weibchen geschlüpft ist, mit dem sich eines der Männchen sofort verpaart. [D, Tübingen, 23. April 1993].
Beachte die Unterschiede in der Länge der Antennen bei Weibchen und Männchen!
Ein weiteres Männchen versucht vergeblich, sich ebenfalls mit dem Weibchen zu paaren. Wenn viele Männchen am Nistplatz schwärmen, kommt es vor, daß sich Dutzende von ihnen auf ein ein soeben geschlüpftes Weibchen stürzen, doch nur mit einem von ihnen kommt es zur Paarung. [D, Tübingen, 23. April 1993].
Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). [D, Wankheim, 21. April 2009]
Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). [D, Wankheim, 25. April 2009]
Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). [D, Wankheim, 25. April 2009]
Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). [D, Wankheim, 25. April 2009]
Abflug nach einem Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). Beachte: Der Rüssel steckt noch ein wenig in der Kronröhre. [D, Wankheim, 25. April 2009]
Blütenbesuch an Zaunwicke (Vicia sepium). Die Behaarung dieses Männchens ist durch das Sonnenlicht schon etwas ausgebleibt. [D, Wankheim, 19. Mai 2006]
Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium)
Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). Beachte die charakteristischen Haarbinden auf den Hinterleibssegmenten. [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). Beachte die mächtige Pollenladung an Schiene und Ferse. [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
Blütenbesuch an Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis). Beachte: Im Feld sind die Männchen im Habitus nicht von Eucera nigrescens und Eucera interrupta zu unterscheiden. Lediglich die spätere Flugzeit gibt Hinweise auf die Artzugehörigkeit. [D, Oberrotweil, 22. Mai 1995]


Arten im Detail